TIP Interview: Daniel Stancke von TruckPro

Auf TruckJobs können Fahrer ihre Profile anlegen, auf TruckPro geben Firmen und Speditionen ihre Wünsche und Anforderungen an.

(Daniel Stancke und Thorsten Steinbach, Gründer der Plattform TruckPro)

Warum sich Speditionen Zeit für Gespräche mit ihren Fahrern nehmen sollten

Der Fahrermangel beschäftigt die Logistikbranche immens und stellt Speditionen häufig vor eine große Herausforderung. Auch die Suche nach einem Arbeitgeber für Fahrer ist unübersichtlich: Die Vielzahl von Ausschreibungen macht es schwer, den geeigneten Arbeitgeber zu finden. Daniel Stancke und Thorsten Steinbach von JobMatchMe wollen das ändern: Sie bringen Fahrer und Spedition via Jobmatching zusammen, dabei spielen nicht nur Qualifikationen sondern auch übereinstimmende Wertvorstellungen beider Seiten eine Rolle. Auf TruckJobs können Fahrer ihre Profile anlegen, auf TruckPro geben Firmen und Speditionen ihre Wünsche und Anforderungen an. TIP traf Daniel Stancke für ein Interview.

TIP: Herr Stancke, der Fahrermangel ist allgegenwärtig. Sie bieten nun eine Lösung zur Vermittlung von Fahrern an. Gibt es einen Fahrermangel aus Ihrer Sicht?

Daniel Stancke: Mit Sicherheit gibt es einen gravierenden Mangel an Fachkräften in diesem Bereich. In unseren umfassenden Marktstudien haben wir allerdings einen interessanten Aspekt herausfinden können, der bisher wenig strukturell analysiert wurde und die Situation noch erheblich verschärft. Wir sprechen hier vom Phänomen der mangelnden Passung, die wesentlicher Teil der weitverbreiteten Mitarbeiterfluktuation ist. Hier gibt es ein erhebliches Potential. Tausende von Fahrern befinden sich auf dem Absprung, in der Einarbeitung oder schlicht im Übergang zwischen zwei Arbeitgebern. Mit unserer Lösung schaffen wir hierfür Abhilfe und stellen grob gesagt tausende von zusätzlichen, produktiven und zufriedenen Arbeitnehmer dem Markt zur Verfügung.

TIP: Was haben Sie getan um die Probleme und Anforderungen der Branche zu erkennen?

Daniel Stancke: Unser Ansatz war die Ergänzung von quantitativen Analysen mit qualitativen. In den USA gibt es umfangreiche universitäre Studien. Diese haben wir mit eigenen Daten von mittlerweile mehr als 4000 Fahrern sowie hunderten von Tiefeninterviews mit Fahren und Arbeitgebern ergänzt.

TIP Interview: Daniel Stancke von TruckPro

TIP: Was sind die größten Herausforderungen denen sich sowohl Fahrer als auch Speditionen stellen müssen?

Daniel Stancke: Wir befinden uns zweifelsohne in einer sehr herausfordernden Branche. Für Fahrer, Disponenten und Management. Fragmentierung und geringe Margen halten das Stressniveau auf allen Seiten konstant hoch. Die Digitalisierung bietet dabei Chancen, wird aber auch auf allen Seiten viel Mut zur Veränderung erfordern.

TIP: Gibt es einen Unterschied zwischen kleinen und größeren Speditionen im Umgang mit diesen Herausforderungen?
Daniel Stancke: Gerade in Bezug auf Personal haben größere Speditionen sicherlich den einen oder anderen Vorteil, wenn diese beispielsweise eine eigene Personalabteilung haben. Auf der anderen Seite haben kleinere Speditionen die Möglichkeit, den direkt Kontakt mit dem Mitarbeiter noch viel persönlicher zu leben. Hier liegt eine Chance für die „Kleinen“, wenn man sich Zeit dafür nimmt.

TIP: Was sind die Konsequenzen des Mangels, was bedeutet dies für Speditionen?
Daniel Stancke: Die schlimmste aller vorstellbaren Konsequenzen ist natürlich ein stehender LKW, der nicht nur Kosten verursacht, sondern auch zu Verlusten von Aufträgen führt. Häufig ist hier dann der Druck einen neuen Mitarbeiter einzustellen so groß, dass man gegebenenfalls auch nicht passende Kandidaten einstellt. Leider ein Teufelskreis, da dieses, wie bereits beschrieben, wiederum zu Fluktuation führt.

TIP: Ihr Ziel ist es, die Anforderungen von Fahrer und Spedition abzugleichen und eine möglichst hohe Übereinstimmung zu erzielen. Welche Anforderungen oder Wünsche werden auf beiden Seiten formuliert?

Daniel Stancke TruckPro: Natürlich sind formelle Kriterien wie Führerscheine zentral. Wir fragen aber auch Wünsche, wie Gehalt und Einsatzzeiten ab und gleichen sie mit den Angeboten unserer Geschäftskunden ab. Zu guter Letzt analysieren wir Unternehmenskultur und Persönlichkeit des Fahrers, um auch hier eine möglichst hohe Passung herbeizuführen. Das Zusammenführen von Fahrer und Spedition erfolgt in Echtzeit: Direkt nach der Anmeldung erhält der Fahrer passende Vorschläge. Ob ein Arbeitgeber für ihn in Frage kommt oder nicht, entscheidet der Fahrer mit einem Klick. Mit jedem Klick wird das System schlauer und lernt, was dem Fahrer wichtig ist. So können auch nicht formulierte Wünsche erkannt werden.

TIP: Gibt es Punkte an denen die Speditionen Nachholbedarf haben, was die Zusammenarbeit mit Ihren Fahrern angeht?

Daniel Stancke: Ich bin davon überzeugt, dass sich die große Mehrzahl der Speditionen sehr bewusst ist, wie wichtig gute und zufriedene Arbeitnehmer sind. Leider wird sich aber im Alltagsstress nicht immer die Zeit genommen, sich mit den Fahrern zusammen zu setzen. Aus Studien und unseren Daten schätzen wir die Kosten für den Verlust eines Mitarbeiters auf zwischen 3000 und 7000 Euro. Bei sehr spezialisierten Fahrern auch deutlich darüber. Wenn noch mehr Arbeitgeber diese Kosten präsent hätten, wäre vielleicht das Invest in die ein oder andere Minute extra für ein Mitarbeitergespräch drin. Die passenden Mitarbeiter dafür findet man bei TruckPro.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.